Ab 2014 kein ermäßigter Mehrwertsteuersatz auf Kunst

 

Die EU hat Deutschland gezwungen, zum 1.1.2014 den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Kunst abzuschaffen;

Frankreich musste schon vor Jahren den reduzierten MwSt.-Satz auf Kunst aufgeben und in den meisten anderen EU Ländern gibt oder gab es keine Ermäßigung für Kunst.
In Deutschland galt der niedrigere Satz auch nur für Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und Multiples in kleinen Auflagen sowie für Radierungen, Lithographien, Linolschnitte und Holzdrucke unabhängig von der Auflagenhöhe.

D.h. Siebdrucke, Digitaldrucke, Fotografien und Kunstdrucke waren immer mit dem vollen Satz, also zur Zeit 19% belastet und unterliegen dementsprechend keiner Änderung.
Mit einer Erhöhung der MwSt. auf den vollen Satz, also 19%, auf alle bisher reduziert besteuerten Kunstwerke, wird die MwSt. im europäischen Vergleich zwar noch immer deutlich unter den übrigen EU Ländern mit oft 25% liegen, doch der Finanzminister in Deutschland hat sich vom Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler überzeugen lassen, dass der Sprung um 12 % mit Kompensationsmöglichkeiten, wie sie auch die Franzosen eingeführt haben, ergänzt werden müsste.

Dementsprechend wird es in Zukunft zwei Modelle geben, die Mehrwertsteuer bei Kunst zu berechnen;
ein einfaches Modell mit der auf 19% erhöhten MwSt., bei der der Vorsteuerabzug erhalten bleibt.
Und eine sogenannte Margenbesteuerung als Variante der für den Kunst- und Antiquitätenhandel schon immer zugelassenen Differenzbesteuerung (besteuert wird mit dem vollen MwSt.-Satz von 19% nur die Differenz zwischen Einkauf und Verkauf).

Die Margenbesteuerung ist ein von der EU akzeptiertes Verfahren, bei dem davon ausgegangen wird, dass Galeristen und Kunsthändler oft Konvolute oder Alben kaufen, bei denen der Einkaufspreis für das einzelne Kunstwerk nicht genau zuzuordnen ist und die Kosten des Kunsthandels für Kataloge, Empfänge, Messeauftritte oder Besuche etc. nicht auf einzelnen Werke umgelegt werden können, bzw. diesen auf den einzelnen Einkaufs- oder Produktionspreis zugerechnet werden können.

Vor diesem Hintergrund ist es erlaubt, die volle MwSt., also aktuell 19% auf nur 30% des Rechnungsbetrages aufzuschlagen; dies würde unter bestimmten Bedingungen nur zu einer Erhöhung um zwischen 1,52% und 3,25% führen, je nach Rechenmodell und Marge. Voraussetzung ist aber dafür, dass die verlorene Vorsteuer nur 7% beträgt (was theoretisch dann nur noch dem Künstler für sein geistiges Honorar zusteht und bei einer Einfuhr aus einem Nicht-EU Land) und es nur einen Handelsschritt gibt. Bei einer zweiten Handelsstufe wären es aber schon fast die 12 % Erhöhung und bei einer dritten Stufe würde sich das Kunstwerk mit den dann mehrfach nicht abziehbaren Steuern deutlich über diesen Satz hinaus erhöhen und damit beim letzten Erwerber um mehr, als die volle MwSt. mit 19% und Abzugsfähigkeit erhöhen. Zusätzlich führt die Margenbesteuerung zu vielen Komplikationen, wie besonderen Texten, die auf die Rechnung geschrieben werden müssen; keine Rückkehr zur absetzbaren MwSt. und keine Abzugsfähigkeit für Unternehmer, Hotels, Büros etc.

Zudem fehlen die detaillierten Ausführungsbestimmungen, da zwar der Bundestag das Gesetz noch vor dem Sommer verabschiedet hat, aber vor der Bundestagswahl der Bundesrat nicht das komplette Jahresendsteuerendgesetz genehmigt hat. Der Wiederverkäufer kann spätestens bei Abgabe der ersten Voranmeldung eines Kalenderjahres gegenüber dem Finanzamt erklären, dass er die Margenbesteuerung anwendet, ist aber danach für zwei Jahre daran gebunden, wobei noch unklar ist, ob dies für einzelne Lieferungen gilt oder für alle Lieferungen. Außerdem müsste wahrscheinlich wenigstens beispielhaft aufgezeigt werden, was man zur Förderung der Kunst an zusätzliche Kosten hatte.

Und noch einmal deutlich: ein Kunstwerk, dass einmal mit Margenbesteuerung versehen worden ist, kann nicht später umgestellt werden auf abzugsfähige volle MwSt.; umgekehrt ist der Weg aber frei. Diese Komplikationen, Unklarheiten und Unwirtschaftlichkeiten werden bei uns dazu führen, dass wir, die Art Edition-Fils GmbH, die Margenbesteuerung nicht anwenden werden.

Damit wird sich die Marge für Galerien auch nicht verändern und der Kunsthandel kann mit dem gleichen Aufwand seine Förderung und den Verkauf der Kunst betreiben.
Zwar wird der private Endkunde im Normalfall dann 12% mehr MwSt. zahlen müssen, aber die Galerien können selbstständig entscheiden, ob sie die abzugsfähige MwSt. mit 19% anwenden, was von Vorteil für jeden Geschäftskunden ist, denn er kann dann komplett die 19% abziehen.

Alternativ kann die Galerie bei Verkäufen an Privat die Margenbesteuerung nutzen und und hat damit die Möglichkeit, geringfügig den Endpreis zu senken oder einen Rabatt zu gewähren, denn selbst bei 19% nicht abzugsfähiger bezahlter MwSt. auf den Einkaufspreis und Berechnung von 19% Margenbesteuerung auf 30% ergibt es eine Steuer, die zwar deutlich über den jetzigen 7% liegt, aber auch noch unter den 19%.

Nutzen Sie die zwar ärgerliche, aber leider unabwendbare Situation, um jetzt viele Original-Kunstwerke noch zum günstigeren (MwSt.-) Preis zu kaufen und zu verkaufen;
Galerien sollten jetzt im Weihnachtsgeschäft das zusätzlich als Verkaufsargument nutzen und darauf hinweisen, das die Kunst ab Januar teurer wird; das Beste ist ein Schild schon am Eingang mit dem Hinweis:

Erhöhte MwSt. ab Januar auf Kunst, jetzt noch 12% günstiger kaufen.


Mit freundlichem Gruß
Dr. Alexander Fils

galerie im stilwerk
der kunstverlag

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